Tage, an denen die Musik nicht traurig genug sein kann.
Manchmal gibt es Tage, da fühle ich mich einfach nutzlos. Überflüssig. Als wäre meine Existenz doch nur ein großer Fehler, ein schlechter Witz, eine echt blöde Idee. Als würde ich es nie schaffen, irgendwer zu sein, auf den ich stolz sein kann. Irgendwas zu tun, auf das ich stolz sein kann. Als würde jeder Tag, jede Sekunde so bleiben. So schwer. So zäh. So sinnlos. Als wäre es reine Zeitverschwendung, es weiter zu versuchen. Als wäre man selbst nur Platzverschwendung. Man schaut in den Spiegel und möchte sich einfach nur eine reinschlagen. Immer wieder. Sich die Haare ausreißen und sich am besten eine Gabel immer wieder in die Augen rammen oder etwas ähnlich schmerzhaftes. Man will sich zusammenrollen und sterben. Einfach bloß wegsein. Das alles nicht mehr machen müssen, nicht mehr sehen müssen. Nicht mehr spüren. Dann will ich nicht mehr hören, es wird schon, weil ich fühlen kann, dass es nicht wieder wird. Dann will ich nicht hören, so furchtbar wäre ich doch gar nicht, weil ich weiß, dass ich es bin. Dass ich immer nur der Schatten einer Idee bin, immer nur die schlechtere Version eines Menschen. Dass mich niemals jemand wahrnehmen wird. Es sei denn, ich schreie. Und ich kann nicht mehr schreien. Ich kann nicht mehr versuchen, höher zu springen als der Rest. Das bin ich nicht, das wollte ich nie sein, das raubt mir jede Kraft, aber was soll ich tun? Tage, an denen ich meine Eltern ansehe und heulend zusammenbrechen will, endlich sagen will, dass ich ein bisschen mehr Aufmerksamkeit gebraucht hätte, ein bisschen mehr Liebe, ein bisschen mehr Verständnis. Dass ich Hilfe brauche. Dass ich nicht mehr kann. Dass ich nicht mehr können will. Tage, an denen jeder Schritt zu viel, Tage, an denen man sich auf der Treppe kurz hinsetzten muss, um wieder Luft zu bekommen. Um die aufsteigenden Tränen wegzublinzeln. Wenn man einfach nur müde ist und einem schlecht ist, ganz schummerig, wenn man alles nur aus weiter Entfernung hört, wenn man so wütend ist, so furchtbar wütend, dass es einen innerlich zerfetzt, aber man hat nicht mal die Kraft, die Arme zu heben. Nicht die Kraft, etwas zu sagen. Um Hilfe zu bitten. Tage, an denen die Musik nicht traurig genug sein kann.
flugunfaehig

sehr schön geschrieben
und beschreibt fast genau meine Gefühlslage.
Hast du irgendjemanden, mit dem du über all das reden kannst? Der dir zur Seite steht? Beim Lesen habe ich mir schon irgendwie Sorgen um dich gemacht.
Sich nutzlos vorkommen – angesichts der Tatsache, dass es Millionen von Menschen auf dieser Welt gibt, irgendwie einleuchtend. Aber wäre es so simpel, dieses Gefühl, dann wäre die Sache schon um einiges einfacher, nicht wahr?
Dieser Post ist so treffend … du machst mich echt ‘fertig’ damit. Es ist so ein komisches Gefühl, eine Mischung aus Freude und, ja, Betroffenheit, wenn jemand Fremdes die eigenen Gedanken und Gefühle so gut trifft. Fast schon unheimlich.
Ich kann dem so gut nachempfinden. Falls dir diese Aussage hilft. Ist schwer zu sagen, ich bin schließlich fremd. Aber ich hab die Erfahrung gemacht, dass es einem wenigstens ein ‘besseres’ Gefühl gibt, wenn man weiß, dass man sich nicht als Einziger so schwer in einem positiven Licht sehen kann (dein blog gibt mir oftmals so ein Gefühl, weißt du).
Eins möchte ich noch unbedingt sagen – dieses Foto, wooow. Ist es von dir, hast du es gemacht? Wenn ja, meine Bewunderung. Toll.
Ich habe den Eintrag angefangen zu lesen. Stumm, nur für mich. Doch von Zeile zu Zeile spürte ich den Text mehr, die Gefühle. Schließlich musste ich ihn laut lesen. Für mich. Im Hintergrund lief ‘Alone’ die Version von Glee.
Danke für diesen Text.
“Tage, an denen man sich auf der Treppe kurz hinsetzten muss, um wieder Luft zu bekommen.”