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Donnerstagmorgen.

31. März 2011

Ich steige aus dem Bus, Knie und Hände drücken sich in meine Rücken, schieben mich über die Stufen, irgendwie kommt man doch immer heil auf der Straße an, die heute ganz nass war. Pfützen, schillernd auf dem grauen Boden. Neben mir die Stimme meiner besten Freundin. Orientierung. Wo ist sie? Wo muss ich hin? Ich ziehe den Riemen meiner Schultasche zurecht. Mein Blick fällt auf ein Mädchen, mein Alter, vielleicht ein Jahr älter. Sie hat ihren blonden Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden und trägt ein Haarband, die Hände hat sie in den Hosentaschen vergraben, ihre Chucks sind grün, oder waren es mal, die Jacke ist offen, ihre Augen hat sie stark geschminkt und der Lipgloss trieft geradezu von ihren Lippen. Sie beugt sich nach vorne, sucht etwas. “Max? Max?” flüstert sie, ihre Stimme geht vollkommen unter in dem Geschrei der Schüler um uns herum. Und dann sieht sie ihn, ihre Augen beginnen zu leuchten, sie hebt zaghaft die Hand, lächelt. Ich kenne Max, er ist mit mir in die Grundschule gegangen, aber jetzt nicht mehr in meiner Klasse. Ich habe vergessen, ob ich ihn mochte. Max dreht seinen Kopf, die Locken fallen ihm in die Stirn. Hübsch ist er. Er kneift die Augen zusammen, als könne er sie nicht erkennen. Das Mädchen macht ein paar Schritte auf ihn zu, grinst, nestelt an ihrem Reißverschluss. Max dreht sich zu seiner Gefolgschaft um, ein kleiner, blonder fragt. “Is das die?” Und das scheint sie zu sein. Max hebt den Kopf, schüttelt das Haar in Form, dreht sich zu seinem Freund um und beginnt zu lachen. Laut zu lachen. Das Mädchen zuckt zusammen, stolpert ein bisschen, auf ihn zu, von ihm weg, bleibt wie angewurzelt stehen. “Max?” Diesmal viel lauter. Der wirft grölend den Kopf in den Nacken und läuft davon. Ich kann nur noch hören, wie irgendwer sagt: “Wie betrunken warst du eigentlich?” Ihr steigen die Tränen in die Augen, sie dreht sich um, sucht in ihrer Tasche nach etwas und zieht eine Packung Zigaretten hervor. Dann verschwindet sie.

flugunfaehig

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5 Kommentare leave one →
  1. Herbstrose Permalink
    31. März 2011 9:44 nachmittags

    Toller Text – sehr gut beschrieben, die Situation wirkt lebendig und realistisch, berührt aber dennoch. Gefällt mir sehr gut, weiter so :)

    Gruß,
    Herbstrose

  2. 1. April 2011 12:04 nachmittags

    Oh Gott, der Text ist so erschreckend echt und solche Situation gibt es glaube ich viel zu oft. Du kannst wunderbar schreiben, Fee. Gib das niemals auf.

    Ich glaube an dich.

  3. 1. April 2011 6:27 nachmittags

    Wunderbarer Text. Wirklich.
    Er hat mich richtig berührt.

    Liebe Grüße.

  4. 4. April 2011 9:55 vormittags

    Wie schön. Wie wahr. Wie … wir.

Trackbacks

  1. Neunnachneun « Ansichten aus dem Millionendorf

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