Youtubedinge.
Ich habe angefangen, Youtubedinge zu machen. Hier. Warum? Weil es etwas ist, was ich schon immer mal machen wollte und darum.
Schreiben fällt mir leichter als reden, aber um im echten Leben bestehen zu können, muss ich reden, also soll das eine kleine Übung für mich sein. Ich weiß nicht, wie lange und wie oft ich das machen werde, aber vielleicht will das ja jemand selbst herausfinden.
Außerdem sind Youtubemenschen großartig. Sie machen zum Beispiel Musik wie diese:
(Ist der bandcamp-Link, ich weiß, aber ihr verdient die beste Qualität.)
Das wollte ich nur loswerden.
flugunfaehig
Warum ich schreibe.
…und vielleicht schreibe ich, um auch mal für jemanden die fehlenden Worte zu finden, so wie er für mich.
flugunfaehig
Mach’ dieses Leben zu deinem.
Ist dir eigentlich klar,
wie wenig das dein Leben ist?
Du lässt die anderen entscheiden,
wie laut du sein darfst.
Wie hübsch du dich finden darfst.
Wie aufrecht du gehen darfst.
Du lässt die anderen entscheiden,
ob das dein Leben ist.
Ist dir eigentlich klar,
wie wenig das dein Leben ist?
Und trotzdem bist du ganz alleine daran schuld.
Es wäre einfach, sie mit Verachtung zu strafen,
die Verantwortung für deine versiegelten Lippen auf sie zu schieben.
Sich zu winden unter ihren Entscheidungen über dich.
Aber ich verrat’ dir ein Geheimnis: Einfach wird es in diesem Leben nicht mehr.
Einfach ist keine Option.
Für einfach ist es zu spät.
Aber es ist noch nicht zu spät, um mir zu glauben, wenn ich sage,
dass es Menschen gibt, die darauf warten, dass sich deine Zunge löst.
Dass du deine Worte benutzt und dieses Leben zu deinem machst.
Ist dir eigentlich klar,
wie wenig das dein Leben ist?
Falls ja,
jeder Mensch führt Krieg und meistens gegen sich selbst,
aber du kannst die Waffen niederlegen.
flugunfaehig
Weil ich die Einzige bin, die irgendwas über mich bestimmt.
Es gibt diesen Blog auf tumblr, whoneedsfeminism und ich liebe ihn. Dort können Menschen miteinander (und der Welt) teilen, wieso sie selbst oder auch wir alle Feminismus brauchen. Viele der Beiträge dort haben mich berührt, weitergebracht, mich in dem bestärkt, was ich glauben und wofür ich stehen möchte. Seit Langem möchte ich auch etwas dort posten, verschiedenen Dinge sind mir in den Sinn gekommen, doch im Grunde kann ich nicht alles, was ich fühle, denke, auf einen Satz herunterbrechen. Für mich ist Feminismus, vor allem in Verbindung mit body positivity, nämlich schon ganz schön viel.
Ich brauche Feminismus, weil es Tage gibt, da kann ich nicht in den Spiegel schauen. Mein Körper, der sich so oft nicht echt, weit weg, leer, taub anfühlt, steht zwischen mir und jeder Rationalität. Der Körper, der so viel festhalten und aushalten muss. Den ich nicht genug für das würdige, was er tut und nur für das bestrafe, was er nicht kann, nicht ist. Dinge, die man nicht sagen kann, zeigen. Dinge, die man nicht denken will, machen. Mein Körper, Leinwand, Boxsack, Aufnahmegerät. Man sollte meinen, ich wäre in der Lage, anzuerkennen, was wir gemeinsam schaffen, stattdessen erlege ich im die Verantwortung für meinen Selbsthass, meine Wut, jede Art von Zurückweisung auf. Aber irgendwann dringt es von außen immer nach innen und nachdem es die Oberfläche weggeätzt hat, tropft es auf meinen Verstand. Dann wird es hässlich. Aber an manchen Tagen bin ich in der Lage zu fragen „warum, Fee? Warum das alles?“ und die Antworten auf diese Frage helfen mir, den Kopf zu heben, vielleicht sogar kurz zu blinzeln und mich anzuschauen, zu spüren, wie weich meine Haut immer noch ist.
Ich will mich nicht sehen weil ich nicht will, dass andere mich sehen müssen. Ich empfinde es als eine Unverschämtheit meiner selbst, dass ich Menschen dazu zwinge, mich anzusehen, dass ich ihr Bild einer schönen Welt, ihr Erlebnis eines schönen Tages vernichte. Weil ich hässlich bin. Es geht nicht um mich, nicht wirklich, nicht im ersten Moment – es geht um die Anderen. Um das Wissen dass Menschen urteilen, dass Menschen schlecht sind. Wie mir Feminismus in solchen Momenten hilft? Ich kann mich daran erinnern, dass ich niemandem etwas schulde. Ich schulde niemandem Schönheit, Angemessenheit, Einfachheit. Ich darf mit ungewaschenen Haaren aus dem Haus gehen, ich darf Kleidung tragen, die nicht zusammenpasst, ich darf traurig aussehen. Ich darf sein – ganz einfach sein, wie ich in diesem Moment bin. Und ich darf auch sein, wie ich im nächsten Moment sein möchte. Ich darf leben, ausleben, was ich fühle und vor allem – ich darf fühlen, verdammt noch mal! Wie viele Stunden, Jahre, habe ich damit verschwendet, Strategien zu entwickeln, nicht fühlen zu müssen, weil das schwierig sein könnte? Wenn ich fühlen kann und will, okay. Wenn ich nicht fühlen kann und will, auch okay.
Das hilft. Es hat Tage gerettet. Es hat mich vor mir selbst gerettet. Und am meisten hilft es, Verantwortung für mich und meine Gefühle zu übernehmen. Ich fühle mich manchmal weniger hilflos, erlebe, das Fühlen ab und an tatsächlich eine Entscheidung sein kann, das Leben, das, was man aus diesen Gefühlen macht, zumindest eine ist – and that’s freaking awesome.
Ich glaube, ich hätte das nie in dem Maße realisiert, wenn da nicht die Menschen wären, die aufgehört haben, nach jemandem zu suchen, der laut „FUCK YOU!“ schreit und angefangen haben, ihre eigene Stimme zu benutzen.
Eines der besten Gefühle auf der Welt ist es nämlich, etwas zu sagen zu haben. Ich habe etwas zu sagen.
Was ich will, was ich tue, ist ganz allein meine Entscheidung. Nicht nur im Bezug auf Männer, absolut nicht, auf Menschen ganz allgemein, weil wir in einer Gesellschaft leben, in der Menschen vermittelt bekommen, dass sie die Macht über das Selbstwertgefühl anderer haben. Wir haben das Gefühl, dass wir die Anerkennung, beziehungsweise Aberkennung, anderer brauchen, um herauszufinden, wie viel Wert wir haben, was wir dürfen, was wir sind
Ich brauche Feminismus, weil ich die Einzige bin, die irgendwas über mich bestimmt.
So laut wie ich „My body, my choice!“ schreien kann, kann ich auch „My heart, my mind, my life, my future, my words, my voice – my choice!“ schreien.
flugunfaehig
Zum Scheitern verdammt.
Nach meinen Erfahrungen mit dem Leben ist das, was ich als normal empfinden sollte wirklich alles, nur nicht normal. Es ist abartig, verkehrt, fremd. Schlummert in sehr dunklen Winkeln und verlässt diese auch nicht sonderlich oft. Wenn ich versuche, es zu verstehen, die Normalität, an die ich glauben soll, läuft es mir kalt den Rücken hinunter, verliere ich den Überblick, macht im Grunde nichts mehr Sinn. Bin ich aufgeschmissen, habe ich nicht plötzlich eine Erklärung für das alles.
Denn es ist nicht normal, immer glücklich zu sein, immer zu gewinnen, nie zu verlieren. Es ist nicht normal, immer ein Lächeln auf den Lippen zu haben, die Augen strahlend vor Freude, niemals zu weinen, weil man es einfach nicht mehr ertragen kann, an diesem Leben zu sein. Es ist nicht normal, sich mit wenig zufrieden zu geben und jede Sekunde zu leben. Das ist alles nicht normal. Das ist es, was uns weit weg von den anderen schiebt, weit weg von der Realität. Deswegen gehen wir verloren. Das Streben nach Normalität muss doch scheitern, wenn es im Grunde der Versuch ist, mit immerwährendem Wahnsinn glücklich zu sein. Auf was soll ich verlassen, wenn die einzige Ordnung, die man mir garantieren kann, absolut unverständlich für mich ist?
Dass diese Welt verrückt ist beginne ich zu begreifen, aber wieso lässt sie sich dann nicht helfen?
flugunfaehig
Fuck alles.
Kunst ist mein persönlicher Defibrillator.
Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen.
Johann Wolfang von Goethe
Mit einem Goethe-Zitat einzuleiten zeugt nicht unbedingt von ungeheurer Originalität, aber ein bisschen geht es mir auch genau darum. Kunst ist nichts Elitäres. Nichts, das an deiner Erziehung, deinem Umfeld, deinem Denken, deinen Ansprüchen an das Leben hängt. Denn wir alle, tatsächlich ganz egal wo wir herkommen und wo wir hingehen, stehen hier und fragen uns, wie wir es schaffen sollen, dass zu sagen, was wir sagen müssen, was die anderen hören sollten. Wir suchen nach Wegen uns auszudrücken, dieses riesige Monsterbaby aus Wut und Leidenschaft auf die Welt zu bringen, das uns sonst von Innen auffrisst. Da bin ich mir ziemlich sicher. Und das macht mich irgendwie auch unglaublich traurig. Nicht unbedingt die Tatsache, dass jeder Mensch leidet, sondern das Wissen, diese Ahnung, dass es auch für jeden etwas gibt, dass es ein kleines, winziges bisschen besser machen könnte. Wir haben alle unsere Geister, manche werden wir vielleicht nie ganz loswerden – aber wir können sie zum Schweigen bringen, sie erschrecken, zurückschlagen. Für mich hat das immer dank der Kunst funktioniert. Aber, ja, Kunstkunstkunst. Dieser diffuse Begriff mit dem eigentlich niemand etwas anfangen kann.
Um die polnische Künstlerin Ewa Partum (der ich auch sehr, sehr gerne noch einen eigenen Post widmen würde) zu zitieren: An act of thought is an act of art. Für mich ist das die große Wahrheit. Und, ja, ich glaube zu hundert Pronzent und mit all meiner Naivität und dem wenigen Glauben an die Menschheit, den ich auftreiben kann daran, dass jeder Mensch ein Künstler ist. Eben weil Kunst diese diffuse, subjektive, undurchschaubare Wahrheit ist, weil ich nicht über den Wert von etwas entscheiden kann, das ich nicht gefühlt habe. Weil wir alle diese kleine Hoffnung haben, das Lied zu finden, den Film, das Bild, das uns für eine Millisekunde erlöst. Oder auch die Band, die Szene, die Impro-Theatergruppe.
Es tut so gut, daran zu glauben. Es hilft mir. Manchmal, wenn ich denke, ich belüge mich nur selbst und kein Lied, keine Serie, kein Buch wird mir jemals über diesen Schmerz hinweghelfen, dann ist das auch okay. Dann ist das eben so. Aber bis jetzt gingen diese Momente immer wieder vorbei und ich saß mit klopfendem Herzen und “Dubistamlebenistdasnichtunglaublich?!”-Stimmen im Kopf in einem stockfinsteren Theatersaal. Hörte meine Helden singen. Las genau die Worte, die ich gebraucht habe. Durfte mich dank der Kunst lebendig fühlen. Das ist ein scheißgroßes Geschenk. Ja, das ist verdammt kitschig und blöd, aber: Was auch immer sich für euch gut anfühlt, muss festgehalten werden. Im Ernst. Kettet es an euch, an euer Leben. Und wenn ihr es noch nicht gefunden habt: Probiert was Neues aus. Das ist leider auch nicht der Schlüssel zum Glück, aber… einen besseren Vorschlag habe ich nicht und mir hat es gut getan. So gut.
Was ich mit diesem Post sagen will: Da sind so viele Möglichkeiten, euren Gedanken eine Form zu geben und das Unaussprechliche über die Lippen zu bringen, es gibt auch eine für dich. Oder zwei. Oder so viele, dass du gar nicht weißt, was sich am Besten anfühlt. Jeden Falls ist da was.
Kunst ist mein persönlicher Defibrillator. Wenn ich kurz davor und schon lang unten angekommen bin, schockt sie mich, lässt mich meinen ganzen Körper spüren und macht mir so ungeheuerliche Angst, in dem sie mein Herz wieder zum Schlagen bringt.
flugunfaehig

