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Sie kapitulierte vor sich selbst.

15. Dezember 2010


via

„Was hast du da?“ Sie berührte die rote Stelle auf ihrer Hand und sah sie fragend an. „Nichts, keine Ahnung, war wahrscheinlich meine Katze…“ Ihre geballte Faust verschwand blitzschnell in ihrem Ärmel. Oh. Man rechnete nicht damit, dass irgendwer genau hinsah. Oder doch? Was hatte sie da bloß getan? Der berühmte Schrei nach Aufmerksamkeit? Keine Ahnung. Jeder Gedanke platze in ihren Kopf und triefte vor Sarkasmus, schlitterte auf der Angst in ihr herum. Sie konnte sie nicht fassen, nicht sehen. Sie glaubte ihrem Kopf kein Wort. Wie auch? Das ist widerlich. Sie war widerlich. Ihr wurde übel, von sich selbst. Sie lies den Kopf auf den Tisch knallen und stöhnte. „Ich hasse alles.“ Neben ihr erhob sich leises Lachen. Ihre Hand begann zu beben. Warum? Was verlangte danach? Gründe fehlten, wie immer. Für keine Träne gab es je Anlass, für das hier ebensowenig. Die Übelkeit errreicht ihren Kopf. Dieses Gefühl war das schlimmste von allen. Es war die Unfähigkeit, irgendetwas in der Hand zu haben. Gedanken flogen durch sie hindurch, rissen Mauern ein und bauten diese auf, an Stellen, an die sie noch nie gekommen war. Es war so heftige Müdigkeit, die sie erfasste, sie kapitulierte vor sich selbst, aber sie hörte nicht auf. Es waren Schmerzen ganz tief drinnen. Es war der Drang, zu schreien, das Verlangen und den Hass zu übertönen. Es waren die gequälten Laute, die sie verliesen, heimlich. Es war Wut, auf sich selbst und auf das Gefühl. Sie war wütend, weil sie nicht mal sich selbst vertrauen konnte. Oder durfte. Es war der Wunsch nach Sicherheit. Nach jemandem, der ihr sagte, welche Gedanken Lügen waren und welche die Wahrheit sagten. Sie konnte es nicht unterscheiden. Sie hielt so viel von dem, was sie war, für lächerlich, ausgedacht. Einfach nicht richtig, nicht so, wie es tatsächlich war. Ihr Kopf machte doch das selbe. Er war Stätte ihrer kranken Gedanken. Welche davon Gefühle und welche Ideen waren, wer wusste das? Ihr blieb die Luft weg. Vergraben unter Haaren und Händen verzerrte sich ihr Gesicht, ihr Mund stand offen. Stumm. Warum? Warum? Was hatte sie da getan und warum? Wollte sie das? Wollte sie das wirklich oder war es Reaktion auf seltsame Theorien, die sie sich einredete? Hatte irgendwer Antworten? Konnte sie bitte wieder jemand zur Vernunft bringen? Das war doch alles Teil ihrer ekelerregende Masche. Ihr Kopft glühte. Sie hätte sich am liebsten ausgekotzt. Oder den Kopf abgerissen. Sie wäre einfach gerne normal. Dieser Gedanke zertrümmerte ihre Knie, zerschlug ihren Rücken. Normal. Nicht furchtbar. Nicht komisch. Nicht eklig. Nicht zerfressen von der Frage, was echt war und was Dummheit. Einfach normal. Mit Vertrauen in die eigene Angst. Nein, sie vertraue nicht mal ihrer Angst. Vielleicht war jede Angst einfach nur ausgedacht. Vielleicht passte das alles einfach schön in ihr Konzept. Vielleicht machte sie das endlich besonders. Sie wollte schreien. Aber sie richtete sich auf. Die Hand in Ärmel. Die Fingernägel in die Handfläche gebohrt.

flugunfaehig

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