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Wir wollen uns sicher sein.

7. Januar 2011

Ich habe keine Ahung, was ich glaube. Ob Schicksal oder nicht. Ich weiß nicht, ob ich glaube, dass Menschen sich ändern können oder das man manchmal nicht die Wahl hat. Ich weiß nicht, ob das alles hier Sinn macht oder doch nur einfach ein einfallsloses Spiel ist. Keine Ahnung, ob es Liebe auf den ersten Blick gibt. Oder ob sie wächst. Keine Ahnung, ob wir uns unterscheiden oder alle gleich sind oder ob es wieder ein Mittelding ist. Ich weiß nichts. Kenne nichts. Das Leben ist mir fremd. Standpunkte sind wie diese Schaumstoffplatten auf dem Wasser, wenn sie bei Takeshi’s Castle mit Riesenohrstäbchen gegeneinander kämpfen. Ich fühle mich wie eine von diesen bekloppten Japanerinen mit einem blau-gelben Helm, dümmlich grinsend das Ohrstäbchen umklammernd, unter den Füßen nur eine billige Schaumstoffplatten auf Wasser. Sie schaukelt und wankt und neigt sich ins Wasser und treibt davon. Und ich stehe nicht fest und das Gewicht des Riesenohrstäbchens reißt rechts und links und vorne und hinten an mir und ich kann die Schaumstoffplatte nicht ins Gleichgewicht bringen. Ich stehe auf meinem Standpunkt, nicht fest, nicht sicher, eigentlich überhaupt nicht, nicht gerne und eine kleine Brise, eine winzige Welle, ein falscher Schritt, ein Stupser von meinem Gegner kann mich zu Fall bringen. Und dann verliere ich den Halt, vollends. Platsche ins Wasser, ohne Standpunkt, ohne Sicherheit, ohne Glauben. Ja, das nennt man dann vom Glauben abfallen. Wenn man von seinem Schaumstoffplattenstandpunkt runterfällt und in diesem eiskalten Wasser treibt und man hat nichts mehr, an das man sich halten kann. Man wollte doch gar nicht auf dieser beschissenen Platte stehen, aber es winkten Ruhm, Ehre und großer Reichtum und deswegen hat man sich damit arrangiert, sich gehalten mit den Mitteln, die man hatte und wenn man dann runterfällt, dann hat man gar nichts mehr. So fühle ich mich ziemlich oft. Ich bin mir meiner nicht sicher. Den Dingen, die ich glaube, meine zu wissen und zu denken. Und deswegen laufe ich auch dauerhaft Gefahr, zu fallen und mich vor ganz Japan zum Idioten zu machen! Ich will nicht mehr in einem hässlichen Anzug mit einem Riesenohrstäbchen auf dem Wasser treiben, in Lebensgefahr. Ich will festen Boden unter den Füßen. Ich will Antworten. Ich will Gewissheit. Ich will sicher sein, dass dsas, was ich sage, auch dem entspricht, was ich glaube. Denn… wer will schon sein Leben damit verbringen Takeshi’s Castle zu spielen? Wir wollen uns sicher sein.

flugunfaehig

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2 Kommentare leave one →
  1. 7. Januar 2011 8:31 pm

    Fee, ich hab deine Texte vermisst. Danke für die Antwort, selbstverständlich werd ich hier mitlesen.
    Liebste Grüße

  2. 8. Januar 2011 1:29 pm

    Ich finde, das ist einer deiner besten Texte bisher.

    Liebe auf den ersten Blick oder Liebe die wächst – es gibt beides. Das sage ich, weil ich beides für mich schon erlebt habe. Allerdings finde ich, dass Liebe auf den ersten Blick oft zum Scheitern verurteilt ist.

    Wer hat denn jemals diese Sicherheit?
    Ich glaube, jeder fühlt manchmal ein bisschen wie bei Takeshi’s Castle.
    Mal mehr und mal weniger. Aber immer etwas.

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