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Zwischen Schmerz und Gefühllosigkeit.

5. Februar 2011


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Lese Texte von damals. Nicht von dem damals, als es mir gut ging, sondern von dem damals, als ich noch Wort dafür hatte, dass es mir nicht gut geht. Von dem damals, als mir noch schlecht war, als ich mich so dringend selbst auskotzen wollte und schreien musste, vor Schmerzen. Von dem damals, als alles so anders und neu und furchtbar war. Von dem damals, als es noch nicht normal war, so zu fühlen. Ich spüre meine Erschütterung in jeder Zeile, meine Angst in jedem Wort, ich lese von diesen Momenten in vollkommener Dunkelheit, als alles in mir brannte. Ich erinnere mich daran und ich fühle nichts. Nichts. Überhaupt nichts. Es macht mir nichts aus – es ist nichts besonderes mehr. Ich spüre den Schmerz täglich, es tut weh, aber irgendwann habe ich aufgehört, mich darüber zu wundern. Es tut jetzt eben weh. Ich betrachte mein Leben und bin traurig, ich bin es ja, aber es ist egal. Traurigkeit ist normal. Ich bin immer traurig. Es ist immer alles grau. Und ich weiß nicht, ob das gut ist. Ich stecke fest zwischen Schmerz und Gefühllosigkeit. Ich kann es spüren, ich kann die Verzweiflung und den Hass spüren, aber es ist nicht wichtig, nicht mehr, nicht wichtig genug, um sich darum zu kümmern. Durchhalten ist wichtiger. Und durchhalten geht besser, wenn man nichts mehr fühlt. Ich habe davon gehört, wenn das passiert, wenn man aufhört, es zu verabscheuen, wenn man aufhört, es zu spüren. Aber so fühlt es sich gar nicht an. Es fühlt sich gar nicht nach Resignation an. Es fühlt sich nach einer Einigung an. Okay, Leben, abgemacht, du darfst mir wehtun, aber nur, wenn es mir egal ist. Ich fühle mich begraben. Und irgendwie ist es gut. Hier unten, so still und aufgeräumt. Ich fühle mich leer und voll zugleich. Aber eher leer. Selbst jetzt, beim schreiben dieses Textes kommt mir das alles nicht komisch, sonderbar vor. Ich fühle nichts, keine Sorge, keinen Veränderungswunsch. Nur ein bisschen Trauer, im Bauch, aber so fühle ich mich eigentlich immer. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich habe keine Lust mehr, zu kämpfen, denn dann verliere ich vielleicht diese Stille. Dann verliere ich die Einigung. Ich bin müde. Ich will schlafen, mit der Trauer im Bauch und irgendwas lautem im Ohr. Jemand, der von Gefühlen sind. Schlimmen Gefühlen, wie es ist, wenn es richtig wehtut. Wie es ist, wenn man sich noch nicht geeinigt hat. Wie es ist, wenn es einen noch kümmert, was man fühlt.

flugunfaehig

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One Comment leave one →
  1. 5. Februar 2011 2:15 pm

    Diese Resignation kenne ich auch. Und nach einer Weile tut sie fast gut – das ist das Gefährliche daran.

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