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Neue Erinnerungen.

23. März 2011


via

(Nun folgt etwas aus meinem Leben. Meinem echten Leben. Bisschen Vergangeheit. Gegenwartshysterie. Hoffe, das ist okay.)

In der Grundschule war ich noch ganz in Ordnung. Denke ich. Ich weiß es nicht mehr so genau. Ich war ein bisschen zu verträumt, trug ein bisschen zu oft Jeans mit Pailletten und warf vielleicht ein bisschen zu oft mit Scheren und Mathebüchern nach den bösen Jungs – aber bis auf diese Fehlerchen war ich größtenteils absolut liebenswert.

Ich hatte eine beste Freundin. Fiona. (Nennen wir sie so.) Fiona und ich haben diesen ganzen Grundschul-Mädchen-Kram gemacht. Uns getroffen und geschminkt wie Nutten, ohne diesen Vorsatz natürlich, gespielt, wir hätten einen Typen von einem Bravo-Poster geheiratet und mit den ausrangierten Handys ihrer Schwester gespielt, wir würden diese Männer anrufen um uns vom Shopping abzuholen. (Ich drücke einfach mal die Daumen, dass das als normal durchgeht.) Manchmal haben wir auch Barbie gespielt. Aber öfter gebaren wir imaginäre Babys von amerikanischen Rockstars. Nun ja. Wir wurden größer und Fiona und ich waren immer noch die besten Freundinen. Ich hatte sie wirklich, wirklich lieb. Und es gab noch Sabrina. (Nennen wir sie so.) Sabrina und ich wohnten in der selben Straße und wir haben praktisch alles zusammengemacht. Ich habe mehr mit Sabrina gemacht als mit Fiona, aber Fiona war meine offizielle beste Freundin, auch, weil wir nur offizielles Spiel-Dates-Zeug machten, schwer zu erklären, mit Sabrina jeden Falls machte ich Dinge wie jeden verdammten Sonntag „Natürlich Blond“ schauen und jeden Samstag „Scary Movie 2“. (Ich fühle mich bei diesen Filmen mehr wie ein Kind als bei „Heidi“ oder „Nils Holgersson“.) Dinge wie zusammen zum Baggersee fahren, einfach so. Wir riefen uns an, um mit der jeweils anderen und deren Mutter einkaufen zu gehen, weil es zu zweit einfach lustiger war. Solche Dinge alles. Es war toll.

Und dann kam das Ende der 4. Klasse und mit ihr das Ende dessen, was man Kindheit nennen konnte. Ein letztes Mal Sommerferien mit Elle Woods und Shorty Meeks. Ein letztes Mal Fiona und Sabrina. Und all die anderen aus meiner Klasse. Ich habe seit ich in die 5. Klasse gekommen bin nicht ein einziges Mal mehr mit den beiden Zeit verbracht. Wir wurden andere Menschen. Erwachsen, befürchte ich. Fiona ist so derartig langweilig geworden, dass mich jeder Blick auf ihr Facebookprofil (wir sind übrigens nicht mal auf Facebook mehr Freunde) unzählige Nerven kostet. (Musik: Justin Bieber und Jason Derüüülo.) Und Sabrina ist eine Dorfschlampe im klassischsten, einfachsten Sinne. Ihr wisst schon… man stolpert hin und wieder an Bushaltestellen über sie, wenn sie ihren Mageninhalt auf die Fake-Nike-Schuhe des Typen entleert, dessen Hand unpraktischer Weise in ihrem Höschen festklemmt. So ist das. Und ich bin ich geworden. Danke der Menschen, die mir begegnet sind.

Und ich kam damit ganz gut klar. Ich hatte eine tolle Zeit mit ihnen, aber Dinge verändern sich. Oder so. Aber vor einigen Wochen begegnete mir jemand aus meiner alten Klasse. Nicht Fiona. Nicht Sabrina. Sondern Antonia. (Nennen wir sie so.)

Ich habe sie ignoriert. Nicht hingsehen. So getan, als müsste ich unbedingt das Lied auf meinem iPod wechseln. Immer wieder. Wir sahen uns (leider) ständig im Bus. Ich meine, ich hatte Antonia immer gemocht, aber… ich hatte genug um die Ohren und vermutlich war sie ganz anders geworden. Wie wir alle. Als unsere Begegnungen immer häufiger wurden und die Situation des Ignorierens immer unangenehmer, da fasste ich mir ein Herz und… nein, sagte nicht Hallo, sondern schrieb sie auf Facebook an. Es war ein Moment, in dem man Engel singen hört und alles in gleißendes Licht getaucht wird. Ich sah auf ihr Profil nieder und es eröffnete sich mir, dass wir die absolut gleiche Musik hören. Und ich weiß nicht, ob euch das bewusst ist, aber Menschen mit gutem Musikgeschmack sind mir so wichtig und so selten in meinem Umfeld. Ich habe praktisch geweint vor Freude. Innerlich. Meine Nachricht war wirr und seltsam und nicht besonders sensibel, aber so bin ich ja auch nicht mehr. Und sie hat geantwortet. Und wir haben geschrieben. Lustige, ernste Dinge, es war wirklich toll. Und dann haben wir im Bus geredet und hey, sie ist so cool.

Und jetzt treffen wir uns am Freitag. omgomgomgomgomgomg. Ich bin nicht gut mit Menschen. Menschen haben Angst vor mir. Auf was habe ich mich da eingelassen? Warum habe ich die Vergangenheit nicht ruhen lassen? Ach, genau, weil meine Hilfefrau der festen Überzeugung ist, ich brauche mehr soziale Kontakte. Und Antonia hört die selbe Musik! Ai. Ich bin leicht überfordert und verfalle in regelmäßigen Abständen in haltlose Hysterie. Das ist nicht gut.

Aber gut wären mehr Menschen, die ein bisschen verstehen. Und nette Menschen. Und Menschen, die mich zu sich einladen. Ganz von sich aus. Neue Erinnerungen. Neue Elle Woods‘ und Shorty Meeks‘. Und deswegen google ich jetzt noch ein bisschen Sachen wie „wie wirke ich sympathisch“ und dann wanke ich am Freitag zu ihr. Jawohl.

Wenn ihr nichts mehr von mir hört, bin ich vermutlich vor Scham und Schande gestorben.

flugunfaehig.

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7 Kommentare leave one →
  1. 23. März 2011 11:47 am

    Das freut mich für dich, Fee. Versuch doch, nicht so zu verkrampfen und dir solche Sorgen zu machen. Sie wird dich bestimmt mögen, auch wenn du nicht „Wie wirkt man sympathisch“ googelst. Oder gerade deswegen, wer weiß das schon. 😉 Ich bin übrigens derselben Meinung wie die „Hilfefrau“.

  2. 23. März 2011 12:55 pm

    Ich liebe es, wenn du aus deinem Leben schreibst. Und ich finde, wir alle brauchen mehr Menschen wie Antonia. Berichte uns, wie das Treffen gelaufen ist, sobald du zurück bist. 😉

  3. 23. März 2011 1:47 pm

    ach ein schöner text! und er endet mit hoffnung.
    ich wünsche dir viel erfolg und freude mit deiner neuen freundin!

  4. 23. März 2011 2:40 pm

    Fee, du könntest eine Autobiografie schreiben!
    All das zu lesen, war für mich gerade wie ein.. mhm ein Roman. Mit einer schönen Geshcihte, die man weiterlesen möchte.
    Und man möchte, dass sie gut ausgeht! ♥

  5. anonymus permalink
    28. März 2011 8:42 pm

    Deine Hilfefrau? (;

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