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Ich liebe einen einzigen Menschen, und das ist genug.

28. März 2011

via

Ich schleiche nicht länger herum wie ein bettelnder Hund. Ich hasse. Ich weine nicht mehr. Ich lache. Je gemeiner sie sind wider mich, um so wohler fühle ich mich in meinem Haß. Um so sichrer. Haß macht Pläne. Ich freue mich jetzt von Tag zu Tag, weil ich einen Plan habe, und niemand weiß davon, und wenn ich verschüchtert gehe, dann tu ich nur so. Haß macht listig. Haß macht stolz. Eines Tages werd ich’s ihnen zeigen. Seit ich sie hasse, manchmal möchte ich pfeifen und singen, aber ich tu’s nicht. Haß macht geduldig. Und hart. […] Ich liebe einen einzigen Menschen, und das ist genug.

Aus „Andorra“ von Max Frisch.

Ich wünsche mir, dass es reicht, einen einzigen Menschen zu lieben. Dass dann all der Hass nicht mehr so weht tut, nicht mehr so schwer fällt, nicht mehr so falsch ist. Dass Liebe alles in ein anderes, besseres Licht rücken kann. Und Wut nicht mehr nur Wut ist. Und Hass nicht mehr nur Hass. Vielleicht kann man nicht aufhören zu hassen – aber anfangen, zu lieben.

flugunfaehig

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6 Kommentare leave one →
  1. 28. März 2011 5:19 pm

    Ist es nicht meist so? Hass ist das Maß aller Dinge, das Höchste, was man erreichen kann. Und Liebe, Liebe ist auch das Maß aller Dinge, das Höchste, was man erreichen kann, jedoch steht diese auf der dem Hass gegenüberliegenden Seite, auf der anderen, oben, statt unten. Hass und Liebe scheinen nichts miteinander gemein zu haben und stehen doch, so gesehen, sich auf Augenhöhe gegenüber. Woran liegt das? Ich schätze, weil das eine nicht ohne das andere existieren kann. Es sind Gegensätze. Und daran misst man.

    Das ist ein interessantes Zitat. Ein interessanter Gedanke. Und deine Worte, dein Wunsch dazu, gibt mir zu denken. Es scheint oft so viel zu geben, was man hasst, was Verachtung verdient. ‚Ich hasse es‘ scheint viel leichter von den Lippen zu gehen, als ‚ich liebe es‘. Ebenso ‚ich hasse dich‘, viel einfacher, als ‚ich liebe dich‘. Mit dem Hass hängen keine Konsequenzen zusammen, da verlangt keiner nach einer Erklärung.
    Und irgendwie, so habe ich das Gefühl, gehen einem die Dinge, die man liebt, über all dem Hass viel zu schnell verloren. Weil der Hass stört. Weil er bohrt. Dabei ist Liebe doch so viel wichtiger, sollte man meinen. Und wenn man nun einen Menschen liebt, und ist es eben nur einer, dann sollte das ausreichen, um für alle den Hass Buße zu tun, so fühlt es sich zumindest an, weil Liebe eben einen so krassen Gegensatz darstellt zu diesen anderen, düsteren Gefühlen.
    Ich wünschte auch, man könnte Hass durch Liebe einfach beiseite fegen. Aber ich befürchte, so funktioniert diese Welt nicht. Es ist ein Maß, und damit elementar, ein Gegensatz kann nicht ohne den anderen existieren. Oder?

    Du stimmst mich nachdenklich, aber keines Falls im negativen Sinne. Vielmehr danke ich, für diesen Post.

    • 29. März 2011 1:13 pm

      Ich habe es gar nicht so verstanden – oder verstehe wollen – dass der Hass durch die Liebe „beiseite gefegt wird“, aufgehoben oder so etwas, so stelle ich mir das nicht vor. Ich denke auch, Hass ist wichtig und man sollte ihn nicht immer leugnen, ich habe es vielmehr so verstanden, dass der Hass… dann Sinn macht, eine Bedeutung bekommt, ein Grund, ein guter sogar. Der Hass wird nicht verschwinden, aber man wird sich nicht mehr so schuldig für ihn fühlen. Denn dank ihm kann man lieben – wie du ja auch gesagt hast. 🙂

  2. 28. März 2011 6:36 pm

    So schöne Dinge standen in Andorra? Oh je, wie schnell man Schullektüren doch aus dem Gedächtnis streicht! Hat das Andri gesagt?

    • 29. März 2011 1:15 pm

      Ja, das hat Andri gesagt. (Ich könnte hier alles posten, was Andri sagt…) Ich hoffe, wir lesen „Andorra“ auch in der Schule, es wäre irgendwie hilfreich zu wissen, ob man da interpretationsmäßig auf dem richtigen Pfad ist. 😉

  3. 31. März 2011 9:59 pm

    Da geht es mir genauso wie Mirka. „Andorra“ war vor zwei Jahren Lektüre in unserem Deutschunterricht, dieses wunderbare Zitat muss mir jedoch vollkommen entgangen sein. Ein Glück, dass ich das Buch nicht verbrannt habe 😉 Damals hat es mich schon ziemlich zur Verzweiflung getrieben, was aber wohl an der Art des Lehrers, Interpretationen anzugehen, lag. Allgemein missfallen mir die meisten Bücher, die wir im Unterricht lesen, weil die Lehrer jede noch so unwichtige Stelle „auseinander nehmen“ und interpretieren müssen. Ist zumindest in unserem Fall so, leider verdirbt mir das des öfteren die Lektüre. Dieses übertriebene Interpretieren (und natürlich den Berg an Hausaufgaben, den man noch bekommt *gg*) nimmt mir einfach die Freude an Schullektüren. Zu schade, besonders im Fall „Andorra“. Ich muss es jetzt, wo ich das im Unterricht Besprochene längt wieder vergessen habe, wohl noch einmal lesen. Von daher – danke für die Erinnerung 😉

  4. Namenslos permalink
    24. Mai 2011 6:01 pm

    Man kann nicht kontrollieren in wen man sich verliebt bzw. wen man liebt, sonst würde es z.B. keinen Liebeskummer geben. Jedoch kann man die Gefühle, wie z.B. Verliebtsein und Hass kontrollieren, damit man keine Dummheiten macht und schön gerecht handelt.

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