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Gut genug für die Realität.

26. Juni 2011


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Man redet sich ein, dass alles halb so schlimm ist. Dass es schon gehen wird. Dass man es hinbekommen kann. Man liegt im Bett und wiederholt in Gedanken immer wieder diese längst bedeutungslosen Phrasen darüber, dass es jemanden gibt, der dich liebt, dass man gut ist, wie man ist, dass man seinen Weg finden wird.
Doch im Grunde tut man das bloß, weil man nicht schon wieder die Kraft hat, auszuflippen, den Verstand zu verlieren, weil man nicht noch eine Nacht durchstehen kann, in der einen die eigenen Tränen beinahe ersticken und der ganze Körper in Flammen steht. Also hüllt man sich ein einen Mantel aus Beschwichtigung. Aus Verdrängung. Aus unendlichem Abstand zur Realität. Wenn nichts echt ist, dann ist auch meine Verzweiflung nicht echt.
Natürlich weiß man, dass es echt ist. Wissen und wahrhaben sind aber zum Glück zwei unterschiedliche Dinge. Sonst hätte man es nicht so lange ausgehalten. Sonst hätte nan nicht so lange so leben können. Eingeschlossen in deisem Mantel oder wie auch immer man es nennen will.
Man fährt jegliche Aktivität auf ein Level vollkommener Leere herunter. Man ist nicht mehr. Man existiert nicht mehr. Man denkt nicht mehr, fühlt nicht mehr. Und ist so froh darüber. Der Moment, wenn man die Fähigkeit dazu erlangt, ist ein guter Moment, ein rettender Moment.
Man kann nicht leben. Es funktioniert nicht mehr. Ständig läuft man Gefahr, einfach so wahnsinnig zu werden, einfach so zu explodieren. Das geht nicht. Alles, was geht, ist sich selbst zu Tode reden, sich selbst anzulügen, als gäbe es kein Morgen, Hoffnungen zu erfinden, damit man schnell aus dem gefährlichen Bereich herausstolpert. Das ist alles, wozu man noch fähig ist.
Denn das Problem mit dem echten Leben, mit dem echten sich den Monstern stellen, mit dem Glauben an das, was man sich stumpfsinnig jede Nacht verspricht, ist, dass man jemanden bräuchte, der es einem bestätigt. Der einem verspricht, dass es stimmt. Dass alles gut wird. Und zwar in Echt. Denn man kann sich selbst nicht mehr trauen, man selbst ist nicht mehr wahr genug um diesen Dingen Wahrhaftigkeit zu schenken. Man kann das auch gar nicht mehr. Doch ein anderer, ein echter Mensch, der könnte das.
Und wenn man sich immer mehr auflöst, jeden Tag ein bisschen mehr, hofft man eigentlich bloß auf jemanden, der gerade noch deine Hand erwischt und dir versichert, dass du gut genug für die Realität bist.

flugunfaehig

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6 Kommentare leave one →
  1. 26. Juni 2011 8:07 pm

    bewegend und dennoch schlüssig geschrieben !

  2. 26. Juni 2011 8:41 pm

    Fee, mal wieder ein wunderschöner Text.

  3. Namenslos permalink
    27. Juni 2011 12:52 am

    Ich kann gar nicht erklären, wie es eigentlich dazu kam eine Tagträumerin zu werden. Ich träume viel und gerne vor mich dahin. Einerseits ist das positiv, da es mir Glücklichsein verschafft. Andererseits ist es negativ, da ich in der Realität weit hinten bin und erst alles nachholen muss. Die Realität vor Augen zu haben ist immer gut, etwas Träumerei auch, aber eben weil ich viel träume, komme ich zur Verwirklichung dieser Träume schlecht nach. Ist mir die Verträumtheit angeboren, gehört sie einfach von Anfang an zu mir oder habe ich sie mir wirklich als Schutz angeeignet, so eine Art Unterschlupf? Oder ist das wieder mal typisch für einen Einzelgänger? Jedenfalls hat es mir oft ein Lächeln ins Gesicht gezaubert, aber auch die Nachteile spüren lassen, weil ich vllt doch zu viel und einfach zu gerne in meiner Traumwelt bin. Ironisch gesagt: Es lebe der Realitätsverlust!

    • 27. Juni 2011 7:08 am

      Ja,aber mit dem Eskapismus darf auch nicht übertrieben werden 😉

      • 27. Juni 2011 12:12 pm

        Es ist nicht so, als ob ich die Realität an sich nicht schätzen würde. Ich würde mich auch nicht als Tagträumerin bezeichnen, da ich mir keine neue Realität schaffe, sondern andere „ausleihe“, in dem ich viele Serien sehe, lese oder Musik höre. Die Realität ist eine großartige Sache, mit Sicherheit sogar, aber es geht darum, dass die Realität, die ich habe, die ich erreichen kann, nicht das ist, was ich will. Sie ist einfach eine miese Realität. Deswegen tue ich das. Ich sehe es nämlich auch so, dass kompletter Realitätsverlust nicht die Lösung sein sollte, nichts sein sollte, das ich anstreben sollte – nur im Moment geht es nicht anders.

  4. 27. Juni 2011 8:20 pm

    ah ja, verstehe. Ja, das Warten auf Realitätsphasen, in denen man mehr erreichen kann, kann sehr zäh sein, dann sind Träumereien und Nutzung schöner Medien schon toll =)

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