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Ich will mich wieder erkennen.

27. Juli 2011


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Ab heute sind Sommerferien. Heute gab es also Zeugnisse. Eigentlich gab es damit durchaus keine Überraschungen für mich. Ich weiß, dass ich keine gute Schülerin bin. Vielmehr eine ziemlich schlechte. Richtig gut war ich auch immer nur in einzelnen Fächern. Ich weiß, dass ich nur probeversetzt bin und all meine Noten kenne ich auch. Mein Versagen ist mir bewusst. Und trotzdem. Trotzdem sah ich auf das Papier in meinen Händen hinunter und dachte mir: „Das bist du also, Fee?“
Das letzte Jahr war nicht gut. Schlimmer als das, was ich davor so erlebt hatte. Es war anstregend, unergiebig, hart und hässlich. Ich habe gekämpft und doch nur verloren. Mich selbst. Vor allem. Das habe ich gespürt, die letzten Tage und Wochen wurde mir das immer deutlicher. Ich bin nicht mehr das Mädchen, für das ich mich gehalten habe. Für das mich alle gehalten haben und noch halten. Das tut weh. Ich habe sie verloren, auf dem Weg hierher. Manchmal scheint es mir so, als sei es tagelang ums nackte Überleben gegangen, unwichtig, was mit meiner Seele oder meinem Charakter passiert. Opfer, die man bringen musste. The price to pay… Und vielleicht war das die einzige Möglichkeit, vielleicht hätte es anders gar nicht funktioniert, das Weitermachen, aber trotzdem macht mich das traurig.
Ich wusste doch immer so genau, wer ich war. Und jetzt? Jetzt weiß ich es nicht mehr. Dieses Zeugnis gibt ein Bild von mir ab. Natürlich kein besonders vollständiges, nicht mal ein sehr klares, aber trotzdem spiegelt es mich wieder. Wie gut ich bin. Einen wichtigen Teil von mir. Und ich wäre gerne besser. Und ich müsste besser sein. Ich habe mich grauenhaft verhalten, im letzten Schuljahr. Ich habe es auf keinen Fall anders verdient, keine einzige Note, das weiß ich, aber ich wünschte, ich würde mich noch erkennen.
Ich will mich verändern, weiterentwickeln, ich will voran kommen und mich zurücklassen, wenn es nötig ist – aber ich bin rückwärts gelaufen. Gestolpert. Hingefallen. Das hat mir mein Zeugnis so deutlich gemacht. Ich bin liegen geblieben, habe die Hände immer weiter in die Erde gegraben, mich vergessen und noch viel schlimmer: Alles um mich herum vergessen. Nichts war mehr wichtig. Die Menschen nicht, die Schule schon gar nicht, nicht mal mehr die Musik oder das Schreiben. Ich wollte, dass es aufhört. Und weil das nicht geschah, habe ich aufgehört.
Dieser Gedanke gruselt mich, doch er bestärkt mich auch. Ich muss jetzt etwas tun. Ich muss jetzt aufwachen, aufstehen und handeln – denn von selbst wird es nicht mehr besser. Stärke beweisen. Die alte Fee fordern und mir bewusst machen, wer ich noch sein kann, trotz allem. Es ist an der Zeit, mit dem aufhören aufzuhören.

flugunfaehig

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2 Kommentare leave one →
  1. Namenslos permalink
    28. Juli 2011 2:14 pm

    Darf ich fragen wie es dazu kam dich selbst zu verlieren? Ich frage mich, ob ich mich jemals hatte, um mich zu verlieren oder ob ich diese Leere mit Verlust verwechsle.

  2. The XX permalink
    8. August 2011 11:44 am

    Du bist nicht das Geld auf deinem Konto, oder die Note in deinem Zeugnis, oder sonst eine Zahl.

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