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Das war wohl dieses 2011.

3. Dezember 2011

via

Ich weiß noch, wie ich letztes Jahr davon sprach, für 2011 den Funken zu bewahren. Diese Leidenschaft für das Leben. Seinen Willen. Etwas in die Richtung. Ich wollte also etwas bewahren, von dem ich nicht mal wusste, ob ich es habe. Vielleicht lag dort mein Fehler? Ich hätte den Funken erst finden müssen. Aber ich wollten ihn schon haben, ich wollte ihn zu einem riesigen Feuer werden lassen, das mein 2011 wärmt und mir irgendwie den Weg erhellt. Geklappt hat das nicht. 2011 war kein gutes Jahr. Natürlich, die Jahre davor waren in großen Teilen oft unverhältnismäßig schlimmer, aber vorallem die erste Jahreshälfte an mich enorm an meine Grenzen gebracht. Grenzen, die ich selbst mit größter Mühe erschaffen musste, damit ich nicht solche Gebiete betrete, aus denen ich nicht mehr zurückkehren kann. Ich war traurig. I was a mess. Ich war fertig mit der Welt, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich war schwach und ich war so, so, so müde. Alles, was mich beschäftigt hat war der Gedanke daran, nicht mehr existieren zu müssen. Ich bin verschwunden, irgendwo zwischen Serien, meinem Bett und Twitter. Ich bin froh, dass ich diese Dinge habe, denn ohne sie hätte ich vielleicht gar nicht so lange durchgehalten. Denn obwohl 2011 schmerzhaft war, auf ganz viele, verschiedene Art und Weisen, haben mir Menschen geholfen, zu erkennen, dass mein Leben nicht nur aus Verzweiflung bestehen muss. Dass da ein anderer Weg. Ich wollte diesen Weg nicht immer gehen. (Sonst hatte ich ihn schon viel früher beschritten.) Aber mir ist klar geworden, dass ich es ein paar Menschen schuldig bin. Menschen, die mir immer wieder ihre Hilfe angeboten haben, Menschen, die wollten, dass es mir gut geht, Menschen, die ich liebe und die es ängstigen würde, wüssten sie von meinen enormen Gefühlen für sie. Diese Menschen sollten nicht das Gefühl haben, dass ihre Worte oder überhaupt ihre Anwesenheit in meinem Leben nichts zählt, dass sie keine Wirkung auf mich haben – denn das haben sie. In erster Linie für sie habe ich mich für professionelle Hilfe entschieden. Für Medikamente, eine Therapie. Es war die richtige Entscheidung. Denn seit dem, seit ich diesen Entschluss gefasst habe, gab es wirklich wundervolle Momente. Ich habe mit einem der tollsten Menschen auf der ganzen Welt Thees Uhlmann und Gisbert zu Knyphausen gesehen, ich habe andere, großartige Menschen getroffen, mit ihnen gelacht und fantastische Bagels gegessen, ich habe jemanden für die unzähligen, schlaflosen Nächte dieses Sommers gehabt, der mich ablenken konnte und bei dem ich gleichzeitig immer wusste, dass ich jetzt auch in virtuelle Tränen ausbrechen kann, ich habe philosophische Gespräche am Bahnhof geführt, mit dem ersten Harry Potter Band in meinen Händen. Und auch die Menschen, die mich jeden Tag umgeben, sind manchmal in einem anderen Licht erschienen, haben mein Herz höher schlagen lassen. Danke dafür. Ich weiß, dass Dankbarkeit essentiell ist, wenn man wirklich glücklich werden möchte und ich versuche es, aber ich kann und möchte trotzdem nicht so tun, als würde sich in den Nächten nicht immernoch ein brennender, dumpfer Knoten in meiner Brust bilden, als würde ich nicht immer noch unter der Vorstellung erzittern, mein Bett verlassen zu müssen – aber all das ist weniger geworden. Und das ist so schön.  Natürlich, es versetzt mich in Panik, dass ich momentan in diesem beinahe emotionsleeren Leben herumwandle, das weder Höhen noch Tiefen hat, es ist seltsam und es fühlt sich noch nicht richtig an, nicht zu weinen ist als würde ich mich selbst verraten und gegen die scheußlichen Gedanken Tabletten zu nehmen ist sicher nicht die klügste Entscheidung, aber das ist wohl der Anfang. Es ist gut, dass ich ihn gemacht habe und ich hoffe, ich bete relegrecht dafür, dass es sich für 2012 lohnen wird, ihn gemacht zu haben. Ich werde eine regelmäßige Therapie machen, ich werde andere Dinge ausprobieren müssen, ich werde weiterkämpfen. Ich werde Antworten bekommen, Dinge verstehen, Dinge überwinden, Wunden werden heilen und neue werde ich besser versorgen können, ich werde mir fantastische Momente erschaffen, abseits von dem Zufallsglück des Lebens, welches ich besser zu schätzen lernen werde, ich werde mein Leben machen und ich werde lernen wie man mit den Dingen umgeht, die man nicht in der Hand hat. Das hoffe ich. Ich weiß, dass ich vermutlich immer eine von denen sein werde, die erstmal alles schwarz sehen müssen, um sich orientieren zu können, aber vielleicht möchte 2012 mich ja mit ein paar Lichtstrahlen verwirren. Ich würde mich freuen. (Auch etwas, das ich wieder lernen werde.) Ich glaube, dieses Jahr war… ziemlich viel, vorallem dadurch, das ich so viel davon verschwendet habe und nicht schätzen konnte, es hat mir gezeigt, was ich nicht mehr möchte, so wenig, dass ich Erinnerungen daran kaum zulassen kann, dass ich mich nicht traue, wirklich zurückzublicken, dass ich die Sätze darüber, dass ich das Gefühl hatte, an mir selbst zu sterben, so gruselig finde, dass ich nicht glauben kann, dass es wirklich so war. Ich tue es nicht, weil ich all diese große Emotionen seitdem fürchte. Klein und überschaubar möchte ich meine Gefühlswelt halten, bis ich wieder stark genug für etwas anderes bin. Aber das werde ich sein. Und dann werde ich mir beweisen, dass große Gefühle nicht nur die Schlechten sind.

flugunfaehig

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6 Kommentare leave one →
  1. 3. Dezember 2011 1:46 pm

    Wir stehen hinter dir, immer.

    (Ich hole mir kurz ein Taschentuch, entschuldigung.)

  2. 3. Dezember 2011 2:26 pm

    hättest du für mich auch eins, ninette?

    weil ich grad mal wieder keine eigenen finde, sag ichs mit den worten von thees „das leben ist wie feuer, es brennt und es wärmt.“ und ich glaube, du hast gar keine ahnung, wie viel wärme du abgibst..
    (und für eventuelle notfälle stehen wir, wie ninette schon sagt, hinter dir – mit kühlpacks und heilsalbe.)

  3. Pat permalink
    3. Dezember 2011 8:43 pm

    „Heul-Grunz-mich-an-meiner-eigenen-Rotze-verschluck-brüll-wimmer-wäh.“ – Ich glaube, besser als mit diesem Satz kann ich mich gar nicht ausdrücken. Wir sind alle da, Fee, und halten Deine Hand, auch wenn Du es nicht immer spüren magst.

  4. 4. Dezember 2011 1:09 pm

    Bagels. Harry Potter. Bahnhof. Philosophische Gespräche. Ach, Fee, ich möchte dich gerade sehr gerne knuddeln. ❤
    Eines steht jedenfalls fest: Die ersten Stunden und Tage von 2012, die werden zu den guten gehören.

  5. Salome permalink
    4. Dezember 2011 10:20 pm

    Ich halte mich an deinen Worten fest. Nicht zum ersten Mal.

  6. 24. Dezember 2011 3:01 pm

    Wahrscheinlich sollte ich mich freuen, dass es auch für Menschen mit verkorkster Vita wie meiner immer noch ein Schlupfloch im deutschen Bildungssystem gibt.

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