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Sprich.

19. Dezember 2011


Taschenbuch, 280 Seiten, 7,95€ über Amazon.

Es ist Melindas erstes High-School-Jahr; darauf hatte sie sich gefreut. Doch jetzt ist es wie ein böser Traum: Von ihrer Clique wird sie geschnitten, die neuen Mitschüler reagieren abweisend, die Lehrer, aber auch Melindas Eltern erkennen nicht, dass hinter ihrer Antriebslosigkeit, ihrer Bockigkeit, ein tiefes Trauma steckt. Melinda wurde auf einer Fete von einem älteren Schüler vergewaltigt…

Ich habe schon eine Menge guter Bücher gelesen und vermutlich noch mehr schlechte. Es ist mir nie schwer gefallen, Bücher einzuorden, aber bei „Sprich“ ist das irgendwie anders. Denn ich weiß nicht, nach was ich bewerten soll. Ist es wichtiger, dass ich es nicht aus der Hand legen konnte, Emotionen und Gedanken investiert habe oder sollte ich eher darauf achten, dass kein Charakter befriedigend ausgebildet war, dass die Protagonistin mich um den Verstand gebracht hat und es keinen Satz gab, der mich mit sprachlicher Schönheit beeindruckt hätte? Denn, ja, es war klar, dass mich ein Buch über einen depressiven Teenager berühren würde, deswegen habe ich es doch überhaupt erst gelesen, aber ich konnte mich trotz allem nicht mit Melinda indentifizieren. Es kam bei mir wieder dieser Gedanke auf, dass man einen Grund haben muss, damit einem die Worte fehlen und ehrlich gesagt hat mir das nicht unbedingt gut getan… Abgesehen davon war Melindas Unfähigkeit, sich selbst zu reflektieren sehr anstregend und ermüdend, ihr immergleiches Gejammer, dass sie sich selbst in den Mittelpunkt gestellt hat, obwohl doch so viele andere Faktoren an ihrem Unglück beteiligt waren – all das sind Dinge, die mich gestört haben. Und eigentlich konnten sie mich überhaupt erst so stören, weil sie nicht in die richtigen Worte gekleidet waren. Ich konnte keinen Zugang finden, nicht zu Melinda und auch nicht zu ihrer Geschichte. Aber auch wenn das so war, kann ich ja schlecht leugnen oder außer Acht lassen, dass dieses Buch ein wichtiges Thema behandelt, dass es mit Preisen überschüttet wurde und das es ganz offentsichtlich gute Aspekte in sich trägt. Ich weiß nur nicht, ob es gut für die Menschen ist, für die es geschrieben sein sollte. Denn ich persönlich kann sagen, dass ich das Gefühl hatte, die Autorin würde diese ganze Problematik mit der Schule, Freunden, Einsamkeit, Sprachlosigkeit entkomplizieren, damit es auch die verstehen, die es nicht gefühlt und gelebt haben. Das ist bestimmt nicht vollkommen schlecht, aber mich hat es enttäuscht. Ich wollte etwas ehrliches lesen, etwas, das die Wirklichkeit abbilden würde, aber „Sprich“ ist eigentlich nur eine Anhäufung von Klischees dramatisch ausgeleuchtet – und das reicht mir dann doch nicht. Obwohl es… Spaß gemacht hat, es zu lesen. Nur da liegt wohl das Problem. So ein Buch sollte nicht vordergründig Spaß machen. Deswegen würde ich es nicht empfehlen, einfach, weil ich finde, dass es ein falsches Licht auf die Dinge wirft. Es steckt einfach mehr dahinter. Wenn man das weiß, dann ist das eigentlich ein ganz… nettes Buch, man hat es schnell gelesen, wurde unterhalten – wenn man es aber nicht weiß, dann hinterlässt der Gedanke, dass Menschen annehmen, so ist es, einen bitteren Nachgeschmack.

flugunfaehig

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2 Kommentare leave one →
  1. 19. Dezember 2011 9:20 pm

    Gute Bücher sind die, die einen irgendwie berühren, die einen auf irgendeine Art mitreißen, einen irgendwie beschäftigen. Da gibt es für mich mehrere Ebenen – entweder passt alles zusammen, oder mir gefallen Teilaspekte besonders, oder ich habe an den Buch zwar einiges zu kritisieren, finde es aber trotzdem gelungen.

  2. 6. Januar 2012 3:12 pm

    Das hört sich echt gut an. Dank dir ein neues Buch gefunden, welches ich mal lesen MUSS. Werds mir bei Gelegenheit mal bestellen. 😉

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