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Kunst ist mein persönlicher Defibrillator.

22. Juni 2012

Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen.

Johann Wolfang von Goethe

Mit einem Goethe-Zitat einzuleiten zeugt nicht unbedingt von ungeheurer Originalität, aber ein bisschen geht es mir auch genau darum. Kunst ist nichts Elitäres. Nichts, das an deiner Erziehung, deinem Umfeld, deinem Denken, deinen Ansprüchen an das Leben hängt. Denn wir alle, tatsächlich ganz egal wo wir herkommen und wo wir hingehen, stehen hier und fragen uns, wie wir es schaffen sollen, dass zu sagen, was wir sagen müssen, was die anderen hören sollten. Wir suchen nach Wegen uns auszudrücken, dieses riesige Monsterbaby aus Wut und Leidenschaft auf die Welt zu bringen, das uns sonst von Innen auffrisst. Da bin ich mir ziemlich sicher. Und das macht mich irgendwie auch unglaublich traurig. Nicht unbedingt die Tatsache, dass jeder Mensch leidet, sondern das Wissen, diese Ahnung, dass es auch für jeden etwas gibt, dass es ein kleines, winziges bisschen besser machen könnte. Wir haben alle unsere Geister, manche werden wir vielleicht nie ganz loswerden – aber wir können sie zum Schweigen bringen, sie erschrecken, zurückschlagen. Für mich hat das immer dank der Kunst funktioniert. Aber, ja, Kunstkunstkunst. Dieser diffuse Begriff mit dem eigentlich niemand etwas anfangen kann.
Um die polnische Künstlerin Ewa Partum (der ich auch sehr, sehr gerne noch einen eigenen Post widmen würde) zu zitieren: An act of thought is an act of art. Für mich ist das die große Wahrheit. Und, ja, ich glaube zu hundert Pronzent und mit all meiner Naivität und dem wenigen Glauben an die Menschheit, den ich auftreiben kann daran, dass jeder Mensch ein Künstler ist. Eben weil Kunst diese diffuse, subjektive, undurchschaubare Wahrheit ist, weil ich nicht über den Wert von etwas entscheiden kann, das ich nicht gefühlt habe. Weil wir alle diese kleine Hoffnung haben, das Lied zu finden, den Film, das Bild, das uns für eine Millisekunde erlöst. Oder auch die Band, die Szene, die Impro-Theatergruppe.
Es tut so gut, daran zu glauben. Es hilft mir. Manchmal, wenn ich denke, ich belüge mich nur selbst und kein Lied, keine Serie, kein Buch wird mir jemals über diesen Schmerz hinweghelfen, dann ist das auch okay. Dann ist das eben so. Aber bis jetzt gingen diese Momente immer wieder vorbei und ich saß mit klopfendem Herzen und „Dubistamlebenistdasnichtunglaublich?!“-Stimmen im Kopf in einem stockfinsteren Theatersaal. Hörte meine Helden singen. Las genau die Worte, die ich gebraucht habe. Durfte mich dank der Kunst lebendig fühlen. Das ist ein scheißgroßes Geschenk. Ja, das ist verdammt kitschig und blöd, aber: Was auch immer sich für euch gut anfühlt, muss festgehalten werden. Im Ernst. Kettet es an euch, an euer Leben. Und wenn ihr es noch nicht gefunden habt: Probiert was Neues aus. Das ist leider auch nicht der Schlüssel zum Glück, aber… einen besseren Vorschlag habe ich nicht und mir hat es gut getan. So gut.
Was ich mit diesem Post sagen will: Da sind so viele Möglichkeiten, euren Gedanken eine Form zu geben und das Unaussprechliche über die Lippen zu bringen, es gibt auch eine für dich. Oder zwei. Oder so viele, dass du gar nicht weißt, was sich am Besten anfühlt. Jeden Falls ist da was.

Kunst ist mein persönlicher Defibrillator. Wenn ich kurz davor und schon lang unten angekommen bin, schockt sie mich, lässt mich meinen ganzen Körper spüren und macht mir so ungeheuerliche Angst, in dem sie mein Herz wieder zum Schlagen bringt.

flugunfaehig

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3 Kommentare leave one →
  1. 23. Juni 2012 10:18 am

    Wie schön geschrieben, und wie wahr! Das ist der eigentliche Grund, weshalb ich es so traurig finde, dass viele Menschen in der Kunst nur Unterhaltung suchen, denn sie kann einem so viel mehr geben. Ich bemitleide jeden, der noch nicht die Erfahrung gemacht hat, bei einem Film, Song, Buch wahrhaft das Leben zu fühlen.

  2. 29. Juni 2012 3:32 pm

    Dein Blog ist wundervoll, du schreibst sehr toll. Magst du vielleicht einer gegenseitige Verlinkung zustimmen? Ich habe einen Blog zum Thema Essstörung und Sucht. Ich würde mich sehr darüber freuen! =)

    Alles Liebe,

    Scarecrow

  3. yaoyuandedifang permalink
    13. Juli 2012 7:29 am

    ich liebe schon allein diesen satz, den titel.

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